Verleihung Pflege-Ehrenamtspreis

Newsletter Mai 2026

Emotionale Preisverleihung am 11. Mai in Berlin: Helene Maucher, Bereichsleiterin der Unternehmensstrategie Pflege der Sana Kliniken, Sana-CEO Jens Schick (v.l.) und PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther gratulieren den Preisträgerinnen.

Pflege-Ehrenamtspreis für
herausragendes Engagement

Strahlende und lautstark umjubelte Premiere in Berlin: Zur Preisverleihung des erstmals verliehenen Pflege-Ehrenamtspreises der Sana Kliniken und des PKV-Verbands kamen im Rahmen des 1. Exzellenzkongresses in der Pflege- und Gesundheitsversorgung am 11. Mai 2026 mehr als 1.000 Menschen zusammen. Sie alle haben sich der Pflege verschrieben – und vermittelten den beiden Preisträgerinnen mit Standing Ovations ihren Respekt und ihre Wertschätzung.

Große Bühne für ehrenamtlichen Einsatz

Auszeichnung für herausragendes ehrenamtliches Engagement in der Pflege

Der Pflege-Ehrenamtspreis zeichnet Pflegeprofis aus, die über ihren täglichen Job hinaus als Botschafter der Pflege unterwegs und ehrenamtlich für andere da sind. Der mit 2.000 Euro dotierte Preis der Sana Kliniken und des Verbands der Privaten Krankenversicherung möchte diesen besonderen Pflegeprofis eine öffentliche Bühne bieten.
 

Vorbilder im Namen der Pflege

Zur Premiere wurden zwei Frauen ausgezeichnet, die sich über ihre Tätigkeit als Kinderkrankenschwestern hinaus für hilfebedürftige Menschen in Eritrea einsetzen und ihr Pflege-Know-how dort anwenden, wo es am dringendsten benötigt wird. Silke Scheider-Börsch und Maren Bever engagieren sich beide bei der Organisation ARCHEMED – Medizinische Hilfe für Kinder in Not e.V. Die Preisträgerinnen fliegen während ihres Urlaubs nach Eritrea, um dort ehrenamtlich zu arbeiten. Ihre große Motivation: Liebe zu den Menschen.

Engagiert sich aus Liebe zu den Menschen: Preisträgerin Silke Scheider-Börsch

Silke Scheider-Börsch reist seit fast 25 Jahren zweimal jährlich nach Eritrea, wo sie das Projekt „NEO Asmara" leitet. Sie organisiert Container-Transporte für Medikamente und Ausrüstung, bildet eritreische Pflegekräfte aus, entwickelt Hygiene- und Ernährungsstandards. Und schenkt zahlreichen Familien mit kranken Kindern neue Hoffnung.

Sie hat in Eritrea eine neonatologische Intensivstation aufgebaut und maßgeblich dazu beigetragen, dass die Kindersterblichkeit vor Ort auf 5 Prozent gesenkt werden konnte – was rund 1.700 Kindern jährlich das Leben rettet.

Möchte helfen, wo sonst keiner hilft: Preisträgerin Maren Bever

Maren Bever, seit 2011 für ARCHEMED im Einsatz, leitet seit zehn Jahren das Projekt „PICU Asmara“. Dabei handelt es sich um die erste funktionierende pädiatrische Intensivstation mit Atemunterstützung in ganz Eritrea: Eine moderne Intensivstation mit eigenem Intensivbereich, Intermediate-Care-Raum und Isolierstation sowie Sanitäranlagen, stabiler Elektrik und zentraler Sauerstoff- und Druckluftversorgung.

Dank ihr und ihrem Team können dort heute Kinder überleben, die sonst kaum eine Chance hätten.

Diese beiden Pflegeprofis sind echte Vorbilder, die ihre Leidenschaft für die Pflege in die Welt tragen – und Tausenden Kindern eine Zukunft schenken. Die zeigen, wie Pflege auf der ganzen Welt wirken kann: mit Herzlichkeit, Geduld und unermüdlichem Einsatz.

Wir sagen ganz herzlichen Glückwunsch an Maren Bever und Silke Scheider-Börsch!

Ein Video mit Eindrücken von der wunderbaren Preisverleihung und den gerührten Preisträgerinnen seht ihr auf Instagram und Facebook.


Wo bunt zuhause ist:
Pflegeheim Zehnthof in Dortmund

Vielfalt konsequent leben und erlebbar machen: Das hat sich das Dortmunder Wohn- und Begegnungszentrum Zehnthof (WBZ) zur Aufgabe gemacht. Es ist die zweite Einrichtung in Deutschland, die das Qualitätssiegel „Lebensort Vielfalt" erhalten hat und seitdem erfolgreich rezertifiziert wurde. Das Siegel wird vom PKV-Verband gefördert und gemeinsam mit der Schwulenberatung Berlin sowie der g2 Organisationsentwicklung umgesetzt. Das Team engagiert sich in besonderer Weise dafür, um auch LSBTI* eine gute Pflege und gleichzeitig einen Save-Place zu bieten.

Gemeinsamer Verhaltenscodex

„Sowohl bei den MitarbeiterInnen als auch bei den BewohnerInnen sind wir sehr breit aufgestellt – kulturell und sexuell“, sagt Pflegedienstleiter Detlev Böhm. Im Rahmen der Zertifizierung hat sich die Einrichtung intensiv damit auseinandergesetzt und einen gemeinsamen Verhaltenscodex mit BewohnerInnen und MitarbeiterInnen entwickelt. „Jeder wird gleich behandelt“, so Böhm, der selbst seit 30 Jahren im Gesamtunternehmen ist. „Menschen mit einem anderen sexuellen Hintergrund können hier offen und frei leben. Dazu gehört auch: Man muss sich nicht outen, aber man kann.“

Diversität gehört dazu

Zur Bevölkerung gehört Diversität, ist Leiterin Manuela Balkenohl überzeugt. „Uns ist es wichtig – und durch die Beschäftigung mit dem Thema noch viel wichtiger geworden – dass sich jede und jeder hier wohlfühlt.“ Queersensible Pflege ist für sie genauso elementar wie Respekt und Wertschätzung. Und damit ist sie nicht allein. Das Besondere am Zehnthof ist, dass das komplette Team hinter dem Konzept steht. 

Selbstbestimmtes Leben ermöglichen: Einrichtungsleiterin Manuela Balkenohl

Führen Gespräche und klären auf: Ülkü Yildirim und Detlev Böhm im Zehnthof

„Wir möchten unseren BewohnerInnen und MitarbeiterInnen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen“, sagt Manuela Balkenohl und fügt an: „Die Auseinandersetzung mit dem Thema „LSBTIQ“ bringt einen Entwicklungsschub in den Bereichen Haltung, Fachwissen, Zusammengehörigkeit und Selbstverwirklichung.“

 

Offenheit und Akzeptanz

Die Pflegekräfte schätzen diese Einstellung. Für Ülkü Yildirim etwa stehen Offenheit und Akzeptanz im Fokus. Die heutige Wohnbereichsleiterin hat schon 2004 ihre Ausbildung im Haus begonnen.

„Wir kommen alle sehr offen miteinander klar und es gibt überhaupt keine Diskriminierung. Wenn BewohnerInnen sich mal unpassend äußern, dann führen wir Gespräche und klären sie auf. Wir bringen sie dazu, zu verstehen, dass jeder Mensch das Recht hat, so zu leben, wie er möchte, und machen ihnen das begreiflich.“

So habe sich ein Bewohner anfangs nicht von einem queeren Mitarbeitenden pflegen lassen wollen. Nach mehreren Gesprächen lasse er es jetzt aber zu. „Man muss den Menschen erklären, warum und wieso, und sie zum Nachdenken bringen“, so Yildirim.

 

Tiefer, gegenseitiger Respekt

Die Schulungen und die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema LSBTI* haben das Miteinander unter den KollegInnen nachhaltig verändert. Das Arbeiten im Zehnthof ist geprägt von einem tiefen, gegenseitigen Respekt, der über den reinen Dienstbetrieb hinausgeht. „Das Besondere ist die Akzeptanz“, sagt Yildirim, die aus eigener Erfahrung spricht: „Ich bin selbst Türkin, gläubig und trage ein Kopftuch. Ich wurde hier noch nie schief angesehen, ich fühle mich richtig wohl und respektiert. Es herrscht eine tolle Harmonie. Man fühlt sich nie ausgegrenzt.“ Ein weiteres Beispiel verdeutlicht das besonders vertrauensvolle Umfeld: „Wir haben einen Mitarbeiter, der sich hier im Haus geoutet hat, aber in seiner Familie und auch in seinem Freundeskreis nicht“, erzählt Böhm.

„Eigentlich würde ich mir wünschen, dass man queere Pflege nicht mehr zum Thema machen muss“, fasst Balkenohl ihre Motivation zusammen. „Wenn queere Pflege genauso üblich ist wie Seniorenpflege oder Pflege von jungen Menschen, dann würde ich mich freuen.“

Schönes Vorbild für Diversität in der Pflege

Queere Pflege ist ein wichtiges Thema und der Zehnthof ein schönes Vorbild, finden wir. Übrigens: Wie sich die Einrichtung in ihrem „Lebensort Vielfalt“ respektvoll und wertschätzend um queere Menschen kümmert, haben Journalistik-Studentinnen der TU Dortmund in einer eindrucksvollen Filmreportage dokumentiert, die ihr hier ansehen könnt.

Das Kürzel LSBTI* steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*- und Inter*geschlechtliche Menschen und bündelt damit die bunte Vielfalt unterschiedlicher sexueller Orientierungen und geschlechtlicher Identitäten. Das angehängte Sternchen (*) funktioniert dabei als offene Einladung für alle, die sich in den klassischen Buchstaben nicht perfekt wiederfinden, aber genauso Teil dieser Community sind.


2026: Jahr der Digitalen Pflegeanwendungen (DiPA)

Das wird auch für Pflegeprofis interessant: Digitale Pflegeanwendungen (DiPA) sind Apps, die vor allem für pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen entwickelt wurden. Bereits 2021 trat dazu das Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz (DVPMG) in Kraft.

Bis zur praktischen Umsetzung hat es dann noch eine Weile gedauert, doch jetzt ist es so weit: 2026 werden digitale Anwendungen vom Zukunftsthema zum realen Bestandteil des Pflegealltags.

Pflegebedürftige Menschen digital unterstützen

Worum es geht: DiPAs sind Apps oder Browser-Programme, die pflegebedürftige Menschen dabei unterstützen, möglichst selbstständig zu bleiben, bestimmte Fähigkeiten zu trainieren oder Angehörige im Alltag zu entlasten.

Sei es bei Demenz, Sturzprävention oder der Strukturierung des Alltags: Der Fokus der DiPAs liegt auf Pflege, Aktivierung, Prävention und Alltagsbegleitung. Das unterscheidet sie etwa von medizinischen Gesundheits-Apps, die die Therapie unterstützen.

Finanziert werden DiPAs über die Pflegeversicherung im häuslichen Umfeld. Entscheidend ist dabei die Aufnahme in das offizielle Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Das DiPA-Verzeichnis des BfArM wächst langsam, aber stetig.

Mittlerweile sind mehrere Anwendungen für verschiedene Pflegebereiche gelistet. Die Kategorien umfassen etwa Sturzprävention, kognitive Aktivierung, Unterstützung bei der Alltagsorganisation oder Förderung der Mobilität.

Beispiel Pflegeorganisation: Die Koordination zwischen ambulanten Pflegediensten, Angehörigen und der pflegebedürftigen Person ist oft komplex. DiPAs stimmen hierbei Termine ab, unterstützen bei der Pflegedokumentationen oder der Kommunikation untereinander.

Neue Möglichkeiten und Anforderungen für Pflegeprofis

Auch für Pflegeprofis eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten und Anforderungen: Wer sind geeignete Nutzer? Wie erklärt man ihnen und ihren Angehörigen die Anwendungen? Wie lässt sich der Einsatz von DiPAs evaluieren und dokumentieren? Und vor allem: Wie lassen sich diese Anwendungen sinnvoll in bestehende Abläufe der Einrichtungen integrieren?

Grundlage für Profi-Pflege von morgen

Dass digitale Pflegeanwendungen 2026 jedenfalls kein futuristisches Konzept mehr sind, sondern eine ganz reale Leistung der Pflegeversicherung, darauf weist die Plattform Pflege Panorama hin: Demnach stehen schon heute jedem Menschen mit Pflegegrad bis zu 50 Euro pro Monat dafür zur Verfügung.

Und auch wenn die flächendeckende Einführung mitunter noch mühsam voranschreitet: Wer sich heute schon um digitale Kompetenz und klare Standards kümmert, schafft die Grundlage für die Profi-Pflege von morgen: Pflege, die menschliche Nähe und digitale Unterstützung intelligent verbindet und nahtlos in den Pflegealltag einbindet.