Im Gespräch mit Jan Schröder und Stefan Reker

In Aktion für die Pflege

Unterschiedliche Kampagnen, Initiativen und Aktionen haben sich der Anerkennung und Wertschätzung der Pflegearbeit verschrieben. Darunter die Pflegesterne und unser Wettbewerb „Deutschlands beliebteste Pflegeprofis“. Welche Ideen stecken dahinter und welche Visionen haben solche Aktionen für die Pflege? Jan Schröder, Mitbegründer der Pflegesterne, und Stefan Reker, Geschäftsführer beim PKV-Verband und Leiter für den Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, haben über ihre Beweggründe und Motive, sich dauerhaft und bundesweit für die Pflege einzusetzen, gesprochen.

Was hat Sie bewegt, eine Aktion für die Pflege auf die Beine zu stellen?

Jan Schröder: In der ersten Corona-Welle wurden Pflegende von vielen in unserer Gesellschaft erstmals als systemrelevant wahrgenommen. Autovermieter, Bäcker, Tankstellen, Tiefkühlheimservices – alle haben sich darin überboten, Pflegende mit Geschenken und Anerkennung zu überhäufen. Als unser Team diese Bewegung sah, war schnell klar: Jetzt oder nie! So eine Chance, gesellschaftlichen Rückenwind für mehr starke Pflegende zu bekommen, wird es wohl nie wieder geben. Und das war der Startschuss zur Initiative Pflegesterne.

Stefan Reker: „Deutschlands beliebteste Pflegeprofis“ gibt es bereits seit 2017. Wir haben diese Wertschätzungsaktion damals ins Leben gerufen, weil wir den mehr als 1,2 Millionen Pflegekräften in Deutschland eine Bühne geben wollten, um zu zeigen, wie wichtig und unverzichtbar ihre Arbeit ist. Gleichzeitig sollen Pflegende die Gelegenheit haben, sich und diesen tollen Beruf zu präsentieren. Das Ziel des Wettbewerbs ist natürlich die Wertschätzung. Schon allein mit einer Nominierung können Angehörige, Kolleginnen und Kollegen oder Patientinnen und Patienten öffentlich Danke sagen. Das Bedürfnis ist groß. Die Teilnahme am Wettbewerb ist von Jahr zu Jahr gewachsen. 

Wie sieht Ihre Vision von der Zukunft der Pflege aus und wie hilft Ihre Aktion dabei?

Schröder: Unsere Vision ist es, Pflegende dauerhaft gesellschaftliche Anerkennung erfahren zu lassen. Ganz konkret: Pflegende Angehörige verstecken gegenüber ihrem Arbeitgeber nicht verschämt, dass sie doppelt Leistung bringen. Und bekommen die Unterstützung, die sie verdienen. Beruflich Pflegende stellen mit Stolz das Wirken ihres Tuns in den Vordergrund. Dieses positive Bild prägt den öffentlichen Diskurs, der aktuell doch vornehmlich von der Diskussion um schlechte Arbeitsbedingungen geprägt ist. Pflegesterne trägt mit einem farbenfrohen, humorvollen Auftritt dazu bei, dass wir hierhin kommen.

Reker: Pflege ist ein außergewöhnlich wertvoller Beruf. Pflegende haben sich dem Wohlbefinden anderer verschrieben. Das ist ein anstrengender, aber auch unglaublich erfüllender Dienst am Menschen, der ganz viel Anerkennung verdient. Welche Herausforderungen Pflegeprofis jeden Tag meistern, welche Freude das aber auch bringen kann, ist für die breite Öffentlichkeit meist unsichtbar. Deshalb nutzen wir den Wettbewerb, um Geschichten aus dem Leben zu erzählen und den Wert der Pflege für alle Menschen erfahrbar zu machen. Wir wollen einen Beitrag leisten, um die Wertschätzung von Pflegerinnen und Pflegern in diesem Land spürbar zu erhöhen.

Welche Parallelen sehen Sie zwischen den Pflegesternen und "Deutschlands beliebteste Pflegeprofis"?

Schröder: Wir haben dieselbe Mission: Steigerung des Images und Wertschätzung Pflegender. Beide Initiativen lassen Pflegesterne im besten Licht erstrahlen. Deswegen freue ich mich sehr über die Kooperation und hoffe, wir können diese bald auf alle sechs Millionen Pflegenden ausdehnen.

Reker: Ob Pflegeprofis oder Pflegesterne – beide Kampagnen für die Pflege haben im Kern erkannt, wie besonders die Leistung der Menschen in der Pflege ist. Uns vereint der Wille, der Pflege eine Stimme zu geben. Es ist richtig: Gute Pflege braucht eine faire Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen. Diese wichtigen Punkte prägen die öffentliche Debatte. Pflege darf aber nicht darauf reduziert werden. Das ist besonders den Pflegeprofis wichtig. Sie arbeiten gerne in ihrem Beruf und wollen auch zeigen, warum er so toll ist. 

Wie können Ihre Aktionen der Pflege helfen?

Schröder: Solche Aktionen stärken das Selbstbewusstsein der Pflegenden und schaffen positive Bilder, die andere Akteure motivieren, sich für die Pflege zu engagieren. Denn genau das ist es, was wir jetzt und in Zukunft brauchen: gesellschaftlichen Rückenwind für starke Pflegende. Dem kann sich die Politik dann kaum entziehen.

Reker: Da kann ich mich nur anschließen. Wir erhalten immer wieder die Rückmeldung von den Pflegenden, wie gut es ihnen tut, öffentlich gesehen zu werden, und dass sie sehr stolz auf die Auszeichnung sind. Es gab auch sehr, sehr viele Freudentränen bei den Preisverleihungen. Schon die Nominierung bei „Deutschlands beliebteste Pflegeprofis“ ist ein starkes Zeichen, persönlich Danke zu sagen – und bei ganz vielen nominierten Pflegeprofis hat schon dieser Schritt als konkretes Signal persönlicher Wertschätzung viel Freude ausgelöst. Wir sind immer wieder erstaunt darüber, dass die Pflegekräfte im Alltag viel zu selten die Anerkennung bekommen, die ihnen zusteht. Das soll sich ändern. 

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